Freitag, 13. August 2010

Wieviele Leben noch, Frau Kanzlerin?

Wieder sind drei deutsche Soldaten in Afghanistan in einem Krieg, der nicht einmal so heißen darf, gefallen. Wieder werden Eltern, Frauen und Kinder um ihre Söhne, Männer und Väter trauern und die berechtigte Frage stellen, wofür sie eigentlich gestorben sind.

Für die “Verteidigung des Vaterlandes”, wie es einst ein Peter Struck genannt hat, oder starben sie für ‘übergeordnete Interessen’, die nicht notwendigerweise “dem Wohle des deutschen Volkes …” dienen, ” … seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen …“?

Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort, Frau Kanzlerin, denn die haben sowohl die Angehörigen der vielen zivilen Opfer des Tankwagen-Massakers wie auch die Familien der mittlerweile 39 toten Soldaten verdient.

Frage: Wird hier wirklich Deutschland verteidigt?

Frage: Falls ja – wo liegt die konkrete Bedrohung für uns?

Frage: Falls nein – warum steht die Bundeswehr dann am Hindukusch?

Ein anderer deutscher Kanzler ließ einmal verlauten, daß ihm der Balkan, “nicht das Leben eines einzigen pommerschen Grenadiers” wert wäre; nun, Afghanistan ist noch weiter entfernt …

Sie finden den Angriff auf die deutschen Soldaten “verabscheuungswürdig und hinterhältig”, Ihr vormaliger Vize Steinmeier lamentiert von “feige und hinterhältig”, nur – sehen Sie denn nicht, daß wir hier in einen Krieg verstrickt sind?
So leid es mir um die deutschen Soldaten auch für ihre Angehörigen tut – sie sind gemäß Völkerrecht als bewaffnete und ordnungsgemäß erkennbare Soldaten‘legitime Ziele’ der Aufständischen. Da dann von “feige”, “hinterhältig” und ähnlichem zu schwadronieren, ist nur eines: feige!
 
Wie Ihrem Vorgänger, der Ihnen diesen Krieg als Erbschaft hinterlassen hat, fehlt es Ihnen an Mut, die unbequeme Wahrheit einzugestehen und – so oder so – Konsequenzen daraus zu ziehen. Diese Feigheit, nicht vor dem Feind, aber vor dem eigenen Volk, das diesen Krieg in seiner großen Mehrheit ablehnt, charakterisiert nicht allein Sie, sondern die Vertreter aller Parteien, die diesem Einsatz zugestimmt haben und Jahr um Jahr eine Mandatsverlängerung absegnen. Ist es nicht langsam genug?

Dieser Konflikt, der zunehmend verloren zu gehen droht (trotz der jüngsten Offensive wird z.B. Marjah nachts schon wieder von den Taliban beherrscht), ist auf Lügen gebaut, wie beispielsweise Ex-Verteidigungsminister Rühe zunehmend deutlich ausspricht und auch die Meinungsmanipulationsversuche der trans-atlantischen Verbündeten, die hier und andernorts unlängst angesprochen wurden, werden nichts daran ändern. Die ‘Stimme des Volkes’, wenn sie auch noch recht leise und zaghaft ist, ist doch eindeutig und sollte dies nicht ausreichen – der amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, bleibt in der Tradition seiner zurückgetretenen Vorgängerin, Margot Käßmann, und warnt vor einem “Legitimationsproblem“.

Als der Vorsitzenden einer christlichen(!) Partei könnte Ihnen das durchaus zu denken geben.

Eine klare, deutliche Sprache und ein ebensolcher Kurs wären im neunten Jahr des Krieges wohl angebracht – aus Respekt vor den beiderseitigen Opfern und aus Respekt vor dem deutschen Volk.



(Quelle: saarbreaker.de)

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